Wenn Sie krank sind und nicht arbeiten können, bekommen Sie von Ihrem Arzt eine „Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung". Sie heißt umgangssprachlich auch „Krankschreibung". Wenn Ihre Krankenkasse dazu Fragen dazu hat, kann sie sich an Sie persönlich wenden – und an den MDK Nord. Krankenkassen beschäftigen in der Regel keine eigenen Ärzte für diese Aufgaben. Denn per Gesetz ist der Medizinische Dienst dafür zuständig, medizinische Fragen der Krankenkassen neutral und unabhängig zu klären.

Gutachter des MDK Nord sind (in diesem Aufgabenbereich) Ärzte mit Zusatzqualifikationen. Sie sind im Rahmen der gesetzlichen Grundlagen bei ihrer fachlichen Beurteilung frei.

Grundlage: § 275 Abs. 5 Sozialgesetzbuch (SGB) V, „Die Ärzte des Medizinischen Dienstes sind bei der Wahrnehmung ihrer medizinischen Aufgaben nur ihrem ärztlichen Gewissen unterworfen."

Für Ihre Arbeitsunfähigkeit ist nicht allein die Diagnose Ihres Arztes entscheidend. Jemand ist „arbeitsunfähig", wenn er wegen einer Krankheit seine ausgeübte Tätigkeit nicht mehr ausüben kann, oder wenn die Gefahr besteht, dass sich die Erkrankung dadurch noch verschlimmert.

Die Arbeitsunfähigkeit bemisst sich auch danach, wie Ihre Körperfunktionen beeinträchtigt sind und wie Ihre Leistung sich dadurch mindert. Die Arbeitsunfähigkeit ist außerdem davon abhängig, ob Sie mit Ihrer Erkrankung den Anforderungen Ihrer zuletzt ausgeübten beruflichen Tätigkeit noch gewachsen sind.  

Weitere Beschreibungen der Begutachtung von Arbeitsunfähigkeit finden Sie zusammengefasst nachfolgend in den "Zehn Fragen und Antworten" sowie ausführlich in den >>Infos für Ärzte/Pflegekräfte

(Für die bessere Lesbarkeit wird durchgängig die männliche Form gewählt, außer wenn speziell die weibliche gemeint ist.)

  1. Was macht der MDK Nord-Gutachter, was mein behandelnder Arzt nicht macht?

    Ihr behandelnder Hausarzt oder Facharzt beschäftigt sich vor allem damit, Diagnosen zu stellen und Therapien zu veranlassen. Diese rein medizinische Beurteilung eines Falles wird von den MDK-Gutachtern durch eine sozialmedizinische Einschätzung ergänzt. Das bedeutet, dass die Gutachter zusätzlich Ihre körperlichen Funktionen, Ihre Leistungsfähigkeit und die rechtlichen Voraussetzungen prüfen und bewerten. Denn das Ziel ist, dass Sie möglichst bald wieder eine berufliche Tätigkeit aufnehmen können.  
  2. Welche Qualifikation hat ein Gutachter des MDK Nord?

    Ein Gutachter des MDK Nord ist ein qualifizierter und erfahrener Sozialmediziner, in der Regel mit einer Facharztqualifikation in mindestens einem medizinischen Fachgebiet.

    Ein Sozialmediziner ist ein Arzt, der sich schwerpunktmäßig mit der Begutachtung von Funktions- und Leistungseinschränkungen von erkrankten, gesetzlich Versicherten beschäftigt. Als Sozialmediziner qualifizieren kann sich jeder Arzt, der eine Facharztanerkennung erworben hat. Es handelt sich um eine Zusatzqualifikation.
  3. Bin ich verpflichtet zum MDK zu gehen, wenn meine Krankenkasse mich dazu aufgefordert?

    Der MDK Nord lädt Sie ein, wenn eine sogenannte Persönliche Begutachtung notwendig erscheint. Wenn Sie dieser Einladung nicht folgen, könnte Ihre Krankenkasse prüfen, ob Sie Ihrer Mitwirkungspflicht nachkommen.
  4. Kann mein Arbeitgeber verlangen, dass ich mich beim MDK vorstelle?

    Ihr Arbeitgeber hat das Recht bei begründeten Zweifeln an Ihrer Arbeitsunfähigkeit bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Begutachtung zu stellen. Dies sollte möglichst zeitnah passieren. Wenn die Krankenkasse die Fragen eindeutig beantworten kann, wird der MDK in der Regel nicht eingeschaltet. Ansonsten leitet die Krankenkasse den Auftrag zur Überprüfung an den MDK Nord weiter.
  5. Was erfährt der Arbeitgeber über mich, wenn er eine Überprüfung beim MDK veranlasst hat?

    Der Arbeitgeber erfährt von der Krankenkasse lediglich das Ergebnis der Begutachtung. Der MDK selbst unterliegt der Schweigepflicht und hat keinerlei Kontakt zum Arbeitgeber.
  6. Erfahre ich das Ergebnis der Untersuchung unmittelbar vom MDK-Gutachter?

    Wennn der MDK Nord-Gutachter bereits am Ende der Begutachtung Ihren Fall einschätzen kann, kann er Ihnen das Ergebnis mitteilen. Es ist aber nicht in jedem Fall sofort eine abschließende Beurteilung möglich.
  7. Wie verbindlich ist die Einschätzung des MDK zur Arbeitsfähigkeit?

    Der MDK Nord-Gutachter gibt eine Empfehlung zur Beurteilung Ihrer Arbeitsfähigkeit ab, die für Ihre Krankenkassen grundsätzlich verbindlich ist. Die Entscheidung über die Leistung trifft die Krankenkassen. Sie kann in Einzelfällen auch von der Empfehlung abweichen.
  8. Was geschieht, wenn mein Arzt anderer Meinung ist als der MDK Nord-Gutachter?

    Der Arzt, der Ihnen die Arbeitsunfähigkeit attestiert hat, kann Einspruch einlegen. Ebenso können Sie einen medizinisch begründeten Widerspruch einlegen. Dann wird Ihre Krankenkasse Ihren Fall erneut beurteilen.
  9. Kann der MDK-Gutachter Einfluss auf die Behandlung meines behandelnden Arztes nehmen?

    Der MDK Nord-Gutachter greift nicht in die Behandlung ein. Diagnosen stellen und Therapien veranlassen darf nur Ihr behandelnder Arzt. Angaben des MDK Nord-Gutachter sind immer eine Empfehlung, damit Sie an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren können oder eine andere beruflichen Perspektive finden.
  10. Wer übernimmt die Fahrtkosten für eine Persönliche Begutachtung beim MDK Nord?

    Hierfür ist Ihre Krankenkasse zuständig.