Vom 01.10.2020 an finden persönliche Begutachtung zur Feststellung des Pflegebedarfes nach § 18 SGB XI wieder statt. Um alle Beteiligten – vor allem die besonders gefährdete Personengruppe – vor einer zusätzlichen Ansteckungsgefahr zu schützen, erfolgen diese Begutachtungen gemäß der geltenden Hygieneregeln des Robert-Koch-Institutes (RKI). Dementsprechend geht der Fachbereich Pflege-Einzelfallbegutachtung des MDK Nord wie folgt vor und teilt mit:

  • Auf ein Händeschütteln zur Begrüßung/Verabschiedung verzichten wir.
  • Selbstverständlich achten wir auf den notwendigen Abstand und reduzieren den körperlichen Kontakt auf das Notwendigste.
  • Die Hände werde regelmäßig gewaschen/desinfiziert.
  • Die Husten- und Niesetikette wird eingehalten.
  • Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist für uns selbstverständlich.

Wichtig: Der MDK Nord bittet alle Antragstellerinnen und Antragsteller vor einer Terminvereinbarung um Auskünfte, ob sie zu einer Risikogruppe gehören. Entsprechende Fragebögen werden – mit Freiumschlag – verschickt . Hier zeigt ein Muster, wie dieser Bogen für eine Erwachsenen-Begutachtung aussieht:

Muster, Risikofragebogen für Pflegebegutachtung.pdf 

Nach eingehender individueller Prüfungen wird der MDK Nord daraufhin entscheiden, ob eine persönliche Begutachtung möglich ist. Anderenfalls werden Gutachterinnen/Gutachter bis auf weiteres eine telefonische Befragung und Begutachtung vorziehen, um die Betreffenden nicht zu gefährden. 

Bitte beachten Sie für eine persönliche Begutachtung außerdem:

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihre privaten Räumlichkeiten vor der Begutachtung gelüftet werden.
  • Verzichten Sie darauf, Ventilatoren oder Klimageräte zu benutzen, die vorhandene Aersole im Raum verteilt werden könnten.
  • Bitte begrenzen Sie die anwesenden Personen auf ein Minimum (maximal 3 Personen)

Einschränkungen bei persönlichen Begutachtungen

Versicherte werden in der Regel nicht persönlich begutachtet und körperlich untersucht, wenn vor einem Begutachtungstermin bekannt ist:

  • bei gesicherter SARS-CoV-2-Infektion
  • bei gemeldetem SARS-CoV-2-Verdacht
  • bei Quarantänefällen
  • bei akuten respiratorischen Symptomen
  • fortgeschrittenen Lungenerkrankungen
  • erheblicher Schwächung der Immunabwehr, zum Beispiel bei aktueller Chemotherapie

Bei Begutachtungen, bei denen die/der Versicherte aus nachvollziehbaren Gründen – beziehungsweise mit ärztlicher Bescheinigung – keinen Mund-Nasen-Schutz tragen kann, werden Gutachterinnen/Gutachter aus Gründen der höchsten Vorsorge eine FFP 2-Schutzmaske tragen.

Kontaktnachverfolgung im Bedarfsfall

Für eine gegebenenfalls erforderliche Kontaktpersonen-Nachverfolgung sind alle an der jeweiligen Begutachtung Beteiligten namentlich zu erfassen. Das betrifft neben den zu begutachtenden Versicherten auch anwesende Angehörige und/oder betreuende Personen.

Mit der Pflegereform ist Anfang 2017 das System der Einstufung und der Begutachtung durch den MDK komplett geändert worden. Bis Ende 2016 gab es drei Pflegestufen; jetzt sind es fünf Pflegegrade. Wenn sie bisher schon eine Pflegestufe hatten, wird ihre Einstufung von Ihrer Pflegekasse in einen entsprechenden Pflegegrad automatisch übergeleitet, nach folgendem Muster:

  (bis 2016)              übergeleitet in                    Pflegegrad

WS neu, Pflegebegutachtung, Tabelle Überleitung, 12.12.16.JPG 

(Info: Nach dem Pflegegrad richtet sich die Höhe der Geld- und Sachleistung, die Sie von Ihrer Pflegekasse bekommen.)

Für diese Überleitung müssen Sie keinen neuen Antrag stellen. Sie werden auch nicht neu begutachtet. In der Regel führt diese Überleitung dazu, dass Versicherte Anspruch auf mehr Leistungen haben werden. Grundaussage zur Pflegereform ist: Niemand soll durch die Überleitung schlechter gestellt werden. Es gilt ein lebenslanger Bestandsschutz. Einzige Ausnahme ist, wenn die Pflegebedürftigkeit nicht mehr vorliegt.
Die wichtigsten Änderungen durch die Pflegereform:

• Entscheidend ist nicht mehr der Zeitaufwand (ausschließlich in der Grundpflege), die oft kritisierte „Minutenpflege“. Als neuer Maßstab gilt jetzt der Grad der Selbstständigkeit und die Abhängigkeit von personeller Hilfe in allen elementaren Lebensbereichen.

• Versicherte mit Demenz und anderen gerontopsychiatrischen Erkrankungen bekommen einen besseren Zugang zu den Leistungen der sozialen Pflegeversicherung.

Insgesamt soll das neue Begutachtungsverfahren zu einer gerechteren Einstufung führen.

Sie haben einen Antrag auf Pflegeleistungen bei Ihrer Pflegekasse gestellt. Daraufhin beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Nord (MDK Nord) mit einem Gutachten. Dabei soll festgestellt werden, ob Sie - im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes - pflegebedürftig sind und welcher Pflegegrad vorliegt.  In der Regel wird der Gutachter entweder zu Ihnen nach Hause oder in die Pflegeeinrichtung kommen.

Grundlage: § 18 SGB XI

Für die Zeit vom Antrag bei der Pflegekasse und dem Bescheid der Pflegekasse hat der Gesetzgeber eine Frist gesetzt. Der MDK Nord bemüht sich in jedem Fall, dass Sie (oder Ihre Angehörigen) so schnell wie möglich von einer Pflegefachgutachterin/einem Pflegefachgutachter besucht werden. Den geplanten Begutachtungstermin teilt der MDK Nord Ihnen in der Regel schriftlich mit und informiert Sie auch darüber, welche Unterlagen Sie für die Begutachtung bereithalten sollten. Falls Sie einen gesetzlichen Betreuer haben und es Ihnen möglich ist, informieren Sie ihn bitte über den Hausbesuch. Können Sie einen Begutachtungstermin nicht wahrnehmen, zum Beispiel wegen eines Krankenhausaufenthaltes, informieren Sie den MDK Nord bitte umgehend über die Terminänderung.  

Die Gutachterin oder der Gutachter des MDK sind speziell ausgebildete Pflegefachkräfte oder Ärzte. Sie kommen zu Ihnen, um einen Eindruck von der Pflegesituation der antragstellenden Person zu bekommen. Die Gutachter wollen feststellen, mit welchen Einschränkungen und Problemen Sie in der Pflege zurechtkommen müssen und was Ihnen im Alltag Schwierigkeiten bereitet. Bitten Sie eine vertraute Person während des Hausbesuchs dabei zu sein. So kann sich der Gutachter von Ihrer Situation ein umfassendes Bild machen. Eine umfangreiche Diagnostik, wie Sie es vielleicht von Ihrem Hausarzt gewohnt sind, ist für die Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nicht notwendig.

Darüber hinaus wird der Gutachter wissen wollen, ob Sie bereits bestimmte Hilfsmittel nutzen. Wenn nötig, kann er Sie bei der Wahl weiterer geeigneter Pflegehilfsmittel beraten. Außerdem kann er Ihnen Vorschläge unterbreiten, wie Sie Ihre Wohnung baulich so verändern können, dass Sie trotz Pflegebedürftigkeit möglichst in Ihrem gewohnten Lebensumfeld wohnen bleiben können.

Um sich vorzubereiten legen Sie bitte – falls vorhanden - Berichte Ihres Hausarztes, von Fachärzten oder den Entlassungsbericht aus der Klinik bereit.

•Bitte haben Sie Ihren aktuellen Medikamentenplan zur Hand.
•Falls ein Pflegedienst zu Ihnen kommt, legen Sie auch die Pflegedokumentation bereit.

Es hat sich bewährt, in den Tagen oder Wochen vor der Begutachtung ein „Pflegetagebuch" zu führen. Darin können Sie oder ihre Pflegeperson täglich eintragen, in welchen Bereichen Sie Hilfe benötigen.  

Beim Hausbesuch spricht der Gutachter zunächst die pflegebedürftige Person an, und zwar auch dann, wenn die Unterhaltung aufgrund einer Demenzerkrankung beeinträchtigt ist. Die Informationen werden die Gutachter aber noch einmal mit den anwesenden Angehörigen besprechen.

Wenn alles schnell gehen muss, dann wendet der MDK Nord das sogenannte "Eilbegutachtungsverfahren" an. Dies geschieht…

• wenn Sie während eines Krankenhausaufenthaltes pflegebedürftig werden und danach niemand Ihre Pflege zu Hause übernehmen kann. In diesem Fall begutachtet der MDK Nord noch während Ihres Krankenhausaufenthaltes nach Aktenlage – ein sogenanntes Überleitungsgutachten. Dies ist wichtig, um einen schnellen und reibungslosen Übergang vom Krankenhaus in eine Pflegeeinrichtung sicherzustellen. Persönlich begutachtet werden Sie durch den MDK Nord dann nach Ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus oder der Rehabilitationseinrichtung.

• bei besonderen Situationen bei Ihnen zu Hause, zum Beispiel bei der Pflege von Sterbenden.

• im Zusammenhang mit der Beantragung von Pflegezeit.

Der MDK fasst die Ergebnisse Ihrer Begutachtung sowie eine Empfehlung zum Pflegegrad (bis Ende 2016 "Pflegestufe") in einem schriftlichen Gutachten zusammen und gibt es an die für Sie zuständige Pflegekasse weiter. Darüber hinaus kann das Gutachten Hinweise zu sinnvollen Pflegehilfsmitteln oder Verbesserungsmöglichkeiten in Ihrem Wohnumfeld enthalten. Die Entscheidung über die Pflegestufe und damit über die Leistungen der Pflegeversicherung trifft die Pflegekasse und schickt Ihnen darüber einen schriftlichen Bescheid. Sie können das Gutachten bei Ihrer Pflegekasse anfordern.