Zum Schutz der Versicherten und deren Angehörigen verzichtet der Medizinische Dienst Nord in der Regel weiterhin auf persönliche Pflegebegutachtungen in der Häuslichkeit nach § 18 SGB XI. Diese Entscheidung berücksichtigt die auf Bundes- und Landesebene geltenden behördlichen Verordnungen und Regelungen in Bezug auf epidemiologische Gefährdungslagen. Dies bezieht auch behördlich angeordneten Kontaktbeschränkungen und Einschränkungen des öffentlichen Lebens ("Lockdown") auf Bundes-, Landes- oder regionaler Ebene mit ein.  

Von einer Begutachtung mit persönlicher Untersuchung im Wohnbereich der Versicherten wird insbesondere abgesehen, solange der Inzidenzverlauf (bezogen auf die regionale 7-Tage-Inzidenz) nicht stabil für 14 Tage unter 50 je 100.000 Einwohner liegt. 

Mit einem Faltblatt zur Pflegebegutachtung informiert der Medizinische Dienst Nord alle Versicherten vor ihrer Begutachtung. Der "Pflegeflyer" beschreibt das aktuell wegen der Coronavirus-Pandemie geänderte Begutachtungsverfahren (Stand April 2020). Darin finden Sie Informationen zu folgenden Fragen: Wie wird meine Begutachtung verlaufen? Was habe ich dabei zu beachten? Wie geht es nach der Begutachtung weiter? Die Einschränkungen durch die Pandemie werden berücksichtigt.  

Dieses Faltblatt können Sie hier öffnen, es herunterladen und ausdrucken >>MDK Nord-Pflegeflyer, geändertes Verfahren wegen Corona-Pandemie 

WS, Pflegeflyer Deckblatt, Corona, klein, 06.05.20.JPG 

 

Mit der Pflegereform ist Anfang 2017 das System der Einstufung und der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst komplett geändert worden. Bis Ende 2016 gab es drei Pflegestufen; jetzt sind es fünf Pflegegrade. Wenn sie bisher schon eine Pflegestufe hatten, wird ihre Einstufung von Ihrer Pflegekasse in einen entsprechenden Pflegegrad automatisch übergeleitet, nach folgendem Muster:

  (bis 2016)              übergeleitet in                    Pflegegrad

WS neu, Pflegebegutachtung, Tabelle Überleitung, 12.12.16.JPG 

(Info: Nach dem Pflegegrad richtet sich die Höhe der Geld- und Sachleistung, die Sie von Ihrer Pflegekasse bekommen.)

Für diese Überleitung müssen Sie keinen neuen Antrag stellen. Sie werden auch nicht neu begutachtet. In der Regel führt diese Überleitung dazu, dass Versicherte Anspruch auf mehr Leistungen haben werden. Grundaussage zur Pflegereform ist: Niemand soll durch die Überleitung schlechter gestellt werden. Es gilt ein lebenslanger Bestandsschutz. Einzige Ausnahme ist, wenn die Pflegebedürftigkeit nicht mehr vorliegt.
Die wichtigsten Änderungen durch die Pflegereform:

• Entscheidend ist nicht mehr der Zeitaufwand (ausschließlich in der Grundpflege), die oft kritisierte „Minutenpflege“. Als neuer Maßstab gilt jetzt der Grad der Selbstständigkeit und die Abhängigkeit von personeller Hilfe in allen elementaren Lebensbereichen.

• Versicherte mit Demenz und anderen gerontopsychiatrischen Erkrankungen bekommen einen besseren Zugang zu den Leistungen der sozialen Pflegeversicherung.

Insgesamt soll das neue Begutachtungsverfahren zu einer gerechteren Einstufung führen.

Sie haben einen Antrag auf Pflegeleistungen bei Ihrer Pflegekasse gestellt. Daraufhin beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst Nord mit einem Gutachten. Dabei soll festgestellt werden, ob Sie - im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes - pflegebedürftig sind und welcher Pflegegrad vorliegt.  In der Regel wird der Gutachter entweder zu Ihnen nach Hause oder in die Pflegeeinrichtung kommen.

Grundlage: § 18 SGB XI

Für die Zeit vom Antrag bei der Pflegekasse und dem Bescheid der Pflegekasse hat der Gesetzgeber eine Frist gesetzt. Der Medizinische Dienst Nord bemüht sich in jedem Fall, dass Sie (oder Ihre Angehörigen) so schnell wie möglich von einer Pflegefachgutachterin/einem Pflegefachgutachter besucht werden. Den geplanten Begutachtungstermin teilt der Medizinische Dienst Ihnen in der Regel schriftlich mit und informiert Sie auch darüber, welche Unterlagen Sie für die Begutachtung bereithalten sollten. Falls Sie einen gesetzlichen Betreuer haben und es Ihnen möglich ist, informieren Sie ihn bitte über den Hausbesuch. Können Sie einen Begutachtungstermin nicht wahrnehmen, zum Beispiel wegen eines Krankenhausaufenthaltes, informieren Sie den Medizinischen Dienst Nord bitte umgehend über die Terminänderung.  

Wenn alles schnell gehen muss, dann wendet der Medizinische Dienst Nord das sogenannte "Eilbegutachtungsverfahren" an. Dies geschieht…

• wenn Sie während eines Krankenhausaufenthaltes pflegebedürftig werden und danach niemand Ihre Pflege zu Hause übernehmen kann. In diesem Fall begutachtet der Medizinische Dienst Nord noch während Ihres Krankenhausaufenthaltes nach Aktenlage – ein sogenanntes Überleitungsgutachten. Dies ist wichtig, um einen schnellen und reibungslosen Übergang vom Krankenhaus in eine Pflegeeinrichtung sicherzustellen. Persönlich begutachtet werden Sie durch den Medizinischen Dienst dann nach Ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus oder der Rehabilitationseinrichtung.

• bei besonderen Situationen bei Ihnen zu Hause, zum Beispiel bei der Pflege von Sterbenden.

• im Zusammenhang mit der Beantragung von Pflegezeit.

Der Medizinische Dienst fasst die Ergebnisse Ihrer Begutachtung sowie eine Empfehlung zum Pflegegrad (bis Ende 2016 "Pflegestufe") in einem schriftlichen Gutachten zusammen und gibt es an die für Sie zuständige Pflegekasse weiter. Darüber hinaus kann das Gutachten Hinweise zu sinnvollen Pflegehilfsmitteln oder Verbesserungsmöglichkeiten in Ihrem Wohnumfeld enthalten. Die Entscheidung über die Pflegestufe und damit über die Leistungen der Pflegeversicherung trifft die Pflegekasse und schickt Ihnen darüber einen schriftlichen Bescheid. Sie können das Gutachten bei Ihrer Pflegekasse anfordern.