​Die Gutachter des MDK Nord greifen mit ihrer Begutachtung von Arbeitsunfähigkeit (AU) nicht in die Behandlung ein. Anders als der behandelnde Arzt bewerten sie stattdessen sozialmedizinische Aspekte der Arbeitsunfähigkeit. Denn wenn Versicherte über einen langen Zeitraum arbeitsunfähig sind, droht ihnen ein sozialer Abstieg. Ein Ziel der MDK-Begutachtung ist es deshalb, lang andauernde Arbeitsunfähigkeit zu verhindern.
Die Sozialmediziner des MDK unterstützen dabei auch die therapeutischen Bemühungen der behandelnden Ärzte. Sie ergänzen diese damit, dass sie frühzeitig notwendige Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen erkennen.
Der Gesetzgeber hat außerdem die Krankenkassen verpflichtet, in bestimmten Fällen von Arbeitsunfähigkeit eine gutachtliche Stellungnahme des Medizinischen Dienstes einzuholen. Zusammengefasst ist das Ziel:

• den Behandlungserfolg bei Arbeitsunfähigkeit zu sichern und die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen, zum Beispiel durch Einleitung von Rehabilitationsmaßnahmen durch den Rentenversicherungsträger.

• Zweifel der Krankenkasse oder des Arbeitsgebers an der Arbeitsunfähigkeit zu beseitigen. 

Bevor der MDK Nord eingeschaltet wird, kümmern sich die Krankenkassen um ihre arbeitsunfähigen Versicherten. Mitarbeiter der Krankenkasse nehmen telefonischen Kontakt mit den Versicherten auf oder bitten schriftlich um Auskunft zur aktuellen Situation. Die Krankenkasse erkundigt sich zum Beispiel nach den konkreten Anforderungen und Belastungen am Arbeitsplatz. Danach entscheidet die Krankenkasse, ob eine sozialmedizinische Beratung durch den MDK Nord erforderlich ist.

Für die MDK-Beratung sollten möglichst viele aussagekräftige Befunde und Informationen (zum Beispiel Arbeitsplatzbeschreibung) vorliegen. Die Krankenkassen organisieren die Beschaffung der Unterlagen. Die Versicherten können die Krankenkassen dabei aktiv unterstützen. 

In der sich anschließenden Sozialmedizinischen Fallberatung (SFB) durch MDK Nord-Gutachter werden die medizinischen Fragen der Krankenkassen mündlich erörtert. Hier entscheidet sich, ob weitere Informationen erforderlich sind oder ob eine Begutachtung des Falles beim MDK angebracht ist. Reichen die Unterlagen aus, kann auf eine Persönliche Begutachtung verzichtet werden. Der Versicherte müsste dann also nicht persönlich in einem Beratungs- und Begutachtungszentrum (BBZ) des MDK Nord erscheinen.

​Der MDK Nord lädt Versicherte zu einer Persönlichen Begutachtung ein, wenn die vorliegenden Unterlagen nicht für eine Beurteilung des Falles ausreichen. Die Persönliche Begutachtung findet in einem Beratungs- und Begutachtungszentrum (BBZ) des MDK Nord oder in einer Beratungsstelle (BS) statt. Die schriftliche Einladung hierzu schickt die Krankenkasse. Ein erfahrener Sozialmediziner bespricht mit den Versicherten zu diesem Termin alle Aspekte der Arbeitsunfähigkeit. Zu der Persönlichen Begutachtung gehört in der Regel eine körperliche Untersuchung und eine abschließende Beratung zu weiteren Maßnahmen. Der MDK-Gutachter greift dabei nicht in Behandlung des behandelnden Arztes ein, steht den Versicherten aber ebenso für alle medizinischen Fragen zur Verfügung.
Eine kürzere Form der Persönlichen Begutachtung ist die Zentrale Kurzbegutachtung (ZKB). Sie ist dafür da, in speziellen Fällen frühzeitig zu entscheiden, wie mit der Arbeitsunfähigkeit umgegangen werden soll. In der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit von rund 15 Minuten sind  jedoch eine ausführliche Beratung oder ein reguläres sozialmedizinisches Gutachten nicht zu leisten.

Häufig kann der MDK-Arzt dem Versicherten das Begutachtungsergebnis direkt mitteilen. Müssen aber beispielsweise noch Laborergebnisse abgewartet werden oder möchte der MDK Nord-Gutachter noch mit dem behandelnden Arzt sprechen, bekommt die Krankenkasse das Gutachtenergebnis schriftlich. Die Krankenkasse informiert dann die Versicherten.

Im Gutachten des Medizinischen Dienstes werden die Leistungseinschränkungen beschrieben und im Hinblick auf die Arbeitsplatzanforderungen bewertet. Daraus kann bezogen auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit abgeleitet werden, ob

• die Arbeitsunfähigkeit beendet werden kann.

• weiterhin Arbeitsunfähigkeit besteht, aber in absehbarer Zeit beendet werden kann.

• die Arbeitunfähigkeit auf Dauer besteht.

Die Begutachtung beschränkt sich aber nicht nur auf die Frage nach dem Fortbestehen der Arbeitsunfähigkeit. Im weiteren Sinne geht es auch um die Erhaltung der Erwerbsfähigkeit bis zum regulären Rentenalter. Deshalb geben die MDK Nord-Gutachter auch Empfehlungen zu weiteren therapeutischen Maßnahmen ab und äußern sich  auch zu beruflichen Aspekten. Nach Abschluss der Begutachtung erhält die Krankenkasse das Ergebnis und die erforderlichen Angaben über den Befund.
Der behandelnde Arzt wird über das Begutachtungsergebnis informiert.

​Zweifelt ein Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit seines Mitarbeiters an, hat er gesetzlich das Recht, über die Krankenkasse eine Prüfung durch den MDK zu veranlassen. Der MDK Nord kommt einem solchen Auftrag aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen innerhalb von drei bis fünf Werktagen nach, in der Regel in Form einer Zentralen Kurzbegutachtung (ZKB). Der MDK Nord informiert die Krankenkasse über das Ergebnis der Begutachtung und die Diagnose. Die Krankenkasse informiert den Arbeitgeber über das Ergebnis der Begutachtung, nicht jedoch über datenschutzrelevante medizinische Details wie Diagnosen und Therapien.